Über die Geschichte des Shito Ryu Karate

Klaus Müller, Shito Ryu Germany Karate Do Kai

Meine ganz persönliche Shito-Ryu-Geschichte kam vor ein paar Jahren so richtig in Fahrt, nachdem ich die Gürtelprüfung zum 6. Kyu bestanden hatte. Wir mussten damals zum ersten Mal auch einen schriftlichen Test zu den japanischen Fachbegriffen und zur Geschichte des Karate ablegen. Dadurch wurde meine Neugierde endgültig geweckt und ich wollte einfach alles über Shito Ryu wissen. Auf der Suche nach Literatur musste ich feststellen, dass es zwar eine ganze Menge Bücher über Shotokan Karate gibt, aber über Shito Ryu nur sehr wenig auf Deutsch zu finden ist. Neben Japanisch wurde sehr viel auf Französisch veröffentlicht. Aufgrund meiner begrenzten Sprachkenntnisse muss ich mich zwangsläufig auf das beschränken, was ich in Deutsch und Englisch finden kann. Also habe ich mir ein paar Bücher bestellt und angefangen zu lesen. Schnell musste ich feststellen, dass verschiedene Autoren die gleiche Geschichte auf unterschiedliche Art und Weise darstellen. Offensichtlich gibt es einen großen Interpretationsspielraum innerhalb des Spannungsfeldes aus heldenhaften Legenden, historischen Fakten, persönlichen Ansichten und auch unterschiedlicher Zielsetzung. Aus dieser Erkenntnis heraus versuche ich, die Informationen aus den verschiedenen Quellen zu bewerten und deren Zusammenhänge zu verstehen. Das Bild, das ich heute über Karate in meinem Kopf habe, wird sich in Zukunft ebenso weiter verändern, wie sich hoffentlich auch meine eigenen Fähigkeiten in Karate weiterentwickeln werden.

Die Wurzeln des Karate 

Man findet unterschiedliche Geschichten darüber, wie Karate im „Königreich der Ryukyu-Inseln“, einer Inselkette, die sich vom japanischen Festland südöstlich in Richtung Taiwan erstreckt, entstanden ist. Die Letzte und größte dieser Inselnist Okinawa1 , das schon seit dem 15. Jahrhundert intensive Handelsbeziehungen mit China pflegte. Mit den Händlern kamen auch chinesische Kampfkünste aus den Schaolin-Klöstern (sogenannte „Kempo“) auf die Inseln und vermischten sich mit den dort vorhandenen Kampftechniken (sog. „Te“) der Ureinwohner. Aus dieser Kombination entwickelten sich die „leere Hand Techniken“ im Laufe der Jahrhunderte zu einer eigenständigen Kampfkunst. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lehrten verschiedene berühmte Meister ihre eigenen Stilrichtungen und gaben ihre Kampfkünste an wenige ausgewählte Schüler weiter. Es war vermutlich die Blütezeit der „Te“.

Einige der berühmtesten Meister des Okinawa Karate sind

: - Ankō (Yasutsune) Itosu (1830-1915) Meister Itosu lehrte einen kraftbetonten Karate-Stil mit sehr schnellen und geradlinigen Bewegungen. Er ist ein wichtiger Vertreter des Shuri-te (auch als Shori Ryu bekannt). Er war für seine besonders harten Schläge bekannt und man sagt, er habe jeden Tag 300-mal auf das Makiwara geschlagen. Beruflich hatte er eine einflussreiche Position in der Verwaltung inne und leitete die Königliche Leibwache. Zudem veranlasste er die Einführung von Karate in den regulären Stundenplan an den staatlichen Schulen, was die Einführung neuer Trainingsmethoden einschließlich der fünf Pinan- (Heian-) Kata2 notwendig machte. Es macht nun mal einen Unterschied, ob man 2 oder 3 hochkonzentrierte Eliteschüler trainiert oder vor einer Klasse mit mehreren Duzend Schulkindern unterrichtet!

1 Okinawa war früher als die „Insel der Hundertjährigen“ bekannt. Die Menschen dort hatten weltweit die höchste Lebenserwartung und den höchsten Bevölkerungsanteil an Menschen im Alter von 80 oder mehr Jahren. Dies hat sich signifikant geändert, seit in den 1950er Jahren die erste McDonald’s Filiale eröffnet hat! 2 Itosu nutzte höchstwahrscheinlich die Kata „Kushanku“ um sie zu zerlegen und in Form der 5 Pinan (oder Heian-) Kata neu zusammenzustellen. Obwohl wir heute eine gewisse Anzahl an Bunkai aus den Pinan-Kata ableiten können, ist deren Bedeutung für die Selbstverteidigung und ihr Gehalt an „versteckten Geheimnissen“ möglicherweise begrenzt. Aber trotzdem stell sie immer noch ein hervorragendes Trainingskonzept dar

!- Sōkon Matsumura (1806-1895) Ein anderer berühmter Großmeister des Shurite (auch bekannt unter dem Namen Sorin Ryu) war Sōkon Matsumura, dem man ein enormes Wissen über die „versteckten Geheimnisse“ der verschiedenen Kata nachsagt. Leider gingen viele dieser Geheimnisse im Laufe der Zeit verloren, wodurch viele Kata aus unserer heutigen Sicht nur noch schwer bis ins letzte Detail zu verstehen sind. Heutzutage versuchen eine ganze Reihe von Forschern das Original Okinawa-Karate zu rekonstruieren. 

- Kōsaku Matsumura Kōsaku Matsumura ist ein Vertreter aus der Reihe von bekannten Meistern des Tomari-te, das dem Shuri-te (bzw. Shorin Ryu) prinzipiell ähnlich ist. Tomari ist die Hafengegend von Naha und es gibt eine Theorie, die besagt, dass dort spezielle Techniken für die Anwendung auf Schiffen gelehrt wurden, um die wertvolle Ladung vor dem Angriff durch Piraten zu schützen. Es gibt leider nicht viel belegbare Informationen über die Details des Tomari-te und es wurde nicht ein einziges Bild (weder ein Foto noch ein Gemälde) von einem der Meister aus Tomari überliefert. Vermutlich ging ein Großteil des Wissens verloren, als das Nationalarchiv Okinawas, das in der Burg Schuri untergebracht war, 1945 in Folge eines Bombenangriffs ausbrannte [6]. 

- Kanryō Higaonna (1853-1915) Kanryō Higaonna ist ein wichtiger Vertreter des Naha-te, das auch unter dem Namen Sorei Ryu bekannt ist. Sein Karate ist stark auf Kraft ausgelegt, bevorzugt einen tiefen Körperschwerpunkt (was man an der häufigen Verwendung des Sanchin-Dachi erkennen kann), betont die Atmung und verwendet runde Bewegungen. Higaonna verbrachte über 10 Jahre auf dem chinesischen Festland, wo er sich intensiv mit Kung-Fu beschäftigte. Es ist jedoch nicht ganz klar, ob dieser Aufenthalt so, wie es gerne dargestellt wird, aus reinem Interesse an der Kampfkunst erfolgte oder doch eher aus der politischen Situation in Okianawa zu der Zeit (siehe nächster Abschnitt) heraus motiviert war. Sein Training war sehr hart, so dass nicht allzu viele Schüler es über längere Zeit bei ihm ausgehalten haben. Unter denjenigen, die geblieben sind, waren Chōjun 

Miyagi, der Gründer von Goju Ryu, und Kenwa Mabuni. 

Okinawa im 19. Jahrhundert 

Obwohl ein Königreich, waren die Ryukyo-Inseln kaum jemals wirklich unabhängig und wechselten im Laufe ihrer Geschichte mehrmals zwischen chinesischem und japanischem Herrschaftsbereich. Für über 300 Jahre waren sie ein chinesischer Außenposten, bis in den 1870er Jahren der japanische Kaiser eine Samurai-Familie nach Okinawa schickte und damit beauftragte, die Inseln unter japanischen Einfluss zu bringen. Dies war möglicherweise durch den zunehmenden USamerikanischen Einfluss im pazifischen Raum motiviert, denn wenige Jahre später wurde Hawaii zum 52. US-Bundesstaat. Der Königspalast in Shuri war bald unter japanischem Einfluss, während die meisten Einwohner von Naha, der größten Stadt auf Okinawa, sich weiterhin mit China verbunden fühlten. Naha war ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, in dem neben den eingeborenen Okinawanern viele Menchen aus China, Korea, Taiwan, den Philippinen, Malaysia etc. lebten.

 Kenwa Mabuni, der Gründer des Shito Ryu Karate 

Kenwa Mabuni wurde 1889 geboren. Er war eher klein und schmächtig und begann im Alter von 10 Jahren mit dem Karate-Training. Ein Verwandter von ihm mit guten Beziehungen zum Königshaus stellte ihn Ankō Itosu vor, der ihn als Schüler akzeptierte. Offensichtlich war er sehr talentiert und entwickelte sich schnell, sowohl in körperlicher als auch in technischer Hinsicht, und erlernte in der Folge insgesamt 23 verschiedene Kata aus dem Shuri-te von Meister Itosu. Einige Jahre später stellte ihn sein Freund Chōjun Miyagi bei Meister Higaonna Sensei vor und Itosu erlaubte ihm, bei Higaonna auch Naha-te zu erlernen. Dies war zu jener Zeit absolut keine Selbstverständlichkeit! Infolge seiner Teilnahme an einem Schülerstreik musste er von der staatlichen Schule an die Schule für Fischereiwesen wechseln, wo er seinen Abschluss machte und danach in den Polizeidienst eintrat. 

Kenwa Mabuni – Seine Zeit in Okinawa 

Im Jahr 1915 verstarben seine beiden Lehrmeister im selben Jahr. Besonders über den Verlust von Meister Itosu war er so traurig, dass er ein ganzes Jahr lang jeden Tag dessen Grab besuchte und alle 23 Kata übte, die er von ihm gelernt hatte. Zu dieser Zeit war er bereits als großer Experte der Kampfkunst bekannt und allgemein respektiert. Trotzdem war er im Alter von 26 Jahren noch zu jung, um schon als Großmeister zu gelten und wurde des Öfteren von anderen herausgefordert, die seine Autorität in Frage stellten. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln, hat er sich mit seinem Freund Miyagi zusammengetan und die „Forschergruppe“ Kenyoukay gegründet. Über die Jahre haben sich verschiedene Meister des Okinawa-Karate dieser Gruppe angeschlossen, darunter auch Gichin Funkakoshi, der spätere Gründer des ShotokanKarate3 . Sie trafen sich regelmäßig in Kenwa Mabunis Haus, um miteinander zu trainieren, neue Anwendungen (Bunkais) auszuprobieren und um die wahre Bedeutung hinter den Kata zu suchen, die ihnen von ihren Meistern überliefert worden waren. Als Polizeiinspektor kam Mabuni viel auf der Insel herum und nutzte jede Gelegenheit, andere Meister verschiedener Kampfkünste kennenzulernen und neue Techniken von diesen zu erlernen. Einer von diesen war der chinesische Teehändler Wu Xian Gu, der um ca. 1915 nach Okinawa gekommen war, ein einheimisches Mädchen heiratete und seinen Namen in das weniger chinesisch klingende Go Kenki änderte. Dieser lehrte „Weißer Kranich Kung-Fu“ und man geht davon aus, dass der Tsuruashi-Dachi („Kranichstand“) und der Kampfschrei „Kiai“ (soll wohl den Schrei eines Kranichs imitieren) auf diese Zusammenarbeit zurückzuführen sind. Aber auch andere Kampfkunstmeister wie Aragaki und Tawada haben sein Karate durch die Einführung von Waffentechniken, z.B. mit dem Langstock Bo oder der Sai-Gabel, wesentlich beeinflusst. Um ihr Training realitätsnäher gestalten zu können, haben die „Forscher“ speziell angepasste Protektoren entwickelt, die von Sportarten wie Boxen, Baseball oder Football inspiriert waren. Siehe auch unsere heutigen Kumite-Protektoren!

3 Gichin Funakoshi war zwar schon einige Jahre älter als Mabuni und Miyagi, hat sich aber dennoch des Öfteren an der „Forschergruppe“ beteiligt und Jahre später seinen eigenen Sohn und einige seiner besten Schüler zu Mabuni geschickt, um ihre Fähigkeiten zu verbessern.

Später, um 1924, gründete Mabuni den „Okinawa Karate-Do-Club“ und verwirklichte seinen Traum vom Dojo in seinem eigenen Garten. Seine Frau Kamae unterstützte die Aktivitäten ihres Ehemanns voll und ganz. Dies ging sogar so weit, dass sie einen Schirm über ihn hielt, wenn er trotz starkem Regen sein morgentliches MakiwaraTraining absolvierte! 

Wie Karate nach Japan kam 

Es wird berichtet, dass während eines Besuchs der japanischen Kronprinzen auf dem Außenposten eine Vorführung der Kampfkünste stattfand, bei der Mabuni und Miyagi jeweils ihre Fähigkeiten zur Schau stellten. Die Vorführung war wohl so eindrucksvoll, dass in der Folgezeit mehrere Karate-Meister aus Okinawa auf das japanische Festland eingeladen wurden, um ihre Kunst zu präsentieren. Allen voran wurde Gichin Funakoshi nach Tokio eingeladen (oder sollte man besser sagen „beordert“?) um Karate dort einzuführen. Chōjun Miyagi und Kenwa Mabuni reisten ebenfalls mehrmals auf das Festland, um ihre Kunst der Öffentlichkeit vorzustellen. Auf Anraten des Judo-Gründers Jigoro Kano kündigte Mabuni im Jahr 1929 schließlich seinen Polizeidienst, verließ Okinawa und zog nach Osaka

. Kenwa Mabuni – seine Zeit in Osaka 

Auf die Karate-Pioniere warteten schwierige Zeiten in ihrer neuen Heimat. Obwohl einige Offizielle an der neuartigen Kampfkunst sehr interessiert waren, die doch eine hervorragende Ergänzung zu den vorhandenen typisch japanischen Kampfkünsten darstellte und perfekt für die militärische Ausbildung geeignet war, war es extrem schwierig, öffentliche Akzeptanz zu finden. Das Konzept der Kata als „Lehrbuch“ und Trainingsmethode war unbekannt und die Leute lachten oft über den „okinawanischen Fausttanz“. Darüber hinaus waren Einwanderer von den Inseln einer öffentlichen Diskriminierung ausgesetzt. Rassismus war ein zunehmendes Phänomen in dieser Zeit, und das auf der ganzen Welt! Dennoch schaffte Mabuni es immer mehr Leute von der außerordentlichen Effektivität seiner Kunst zu überzeugen, indem er bei öffentlichen Vorführungen Bretter und Backsteine mit der bloßen Hand zerschlug. Seinen Lebensunterhalt verdiente er mit Kursen an der Universität von Osaka undLehrgängen an der Polizeischule. Das Dojo in seinem Haus kann man quasi als Keimzelle des Shito Ryu betrachten und es existiert bis heute. Seine Karate-Stilrichtung nannte er zunächst Hanko-Ryu („halbhart“), später, um 1934, wurde sie umbenannt in Shito Ryu. Der Name ist eine Hommage an seine beiden wichtigsten Lehrmeister Itosu und Higaonna, und er benutzte jeweils das erste Zeichen ihres Namens, allerdings in ihrer alternativen chinesischen Aussprache: Witzigerweise stellte er sich noch im Jahr 1934 in seinem ersten selbst veröffentlichten Buch als ein „Shihan des Goju Ryu“ vor [5]. Dies unterstreicht seine starke Verbundenheit zum Naha-te und zu seinem Freund Chōjun Miyagi. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Mabuni die verschiedenen Stilrichtungen niemals vermischt hat, sondern die Kata und Techniken des Shuri-te und des Naha-te strikt getrennt hielt. Shuri-te wurde bevorzugt den Anfängern gelehrt, während Naha-te den Fortgeschrittenen vorbehalten blieb. Man sagt, dass Mabuni ungefähr 90 Kata aus unterschiedlichen Stilrichtungen beherrschte. Einige davon hat er nach eigenen Ideen selbst entwickelt. Nicht alle davon werden heute noch praktiziert (einige davon hat er lediglich seinem jüngeren Sohn Kenzo überliefert), aber damit wird es verständlich warum Shito Ryu bis heute die mit Abstand größte Vielfalt an Kata aller modernen Karate-Stilrichtungen besitzt. 

1931 gründete er den „Dai Nihon Karate Do Kai“, der später in „Shito Ryu International Karate Do Kai“ umbenannt wurde. Die Lehre und die Verbreitung des Karate wurden zu seiner Lebensaufgabe. Unglücklicherweise änderte sich sein Leben grundlegend mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs, als die Universitäten geschlossen wurden und die meisten seiner Schüler zum Militärdienst eingezogen wurden. Damit verlor er praktisch von heute auf morgen seine Lebensgrundlage. Kenwa Mabuni starb am 23. Mai 1953 im Alter von 63 Jahren, sehr früh für jemanden, der aus Okinawa kommt! Mit dem Ende der amerikanischen Besatzungszeit im Jahr 1952 wurde Karate in Japan zunehmend populär. Leider war es Kenwa Mabuni nicht vergönnt die Früchte seines Lebenswerkes zu ernten. 

Kenwa Mabunis Erben 

Kenwa Mabuni hatte 2 Söhne. Der ältere von ihnen, Kenei Mabuni (1918-2015), ging nach seinem Militärdienst nach Tokio, schloss sich dort mit anderen Karate-Meistern zusammen und lehrte Shito Ryu. Er wurde von der Öffentlichkeit als natürlicher Erbe des Shito Ryu und als Nachfolger seines Vaters angesehen. Er gründete die World Shito Ryu Karate-Do Federation und war sehr erfolgreich darin, die Stilrichtung weiterzuentwickeln und Shito Ryu in viele Länder auf der ganzen Welt zu verbreiten. Andererseits waren die ursprünglichen Shito Ryu Dojos in und um Osaka („West Japan“) verwaist, und die Gemeinschaft von Kenwa Mabunis Schülern war enttäuscht über die Dominanz aus dem „Osten“ und der Tatsache, dass einige der Kata bereits erste Modifikationen erfahren hatten. Deshalb bat Kenwa Mabunis Witwe ihren jüngeren Sohn Kenzo Mabuni (1927-2005), das Zentraldojo in Osaka zu übernehmen und die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Kenzo, damals erst Mitte 20, fühlte sich zu jung, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, und bat seine Mutter um Bedenkzeit. Dieser Aufschub dauerte über 2 Jahre, in denen er intensiv mit anderen Meistern trainierte und bei denen er Rat suchte. Letztendlich entschloss er sich, der Bitte seiner Mutter nachzukommen, und übernahm das Zentraldojo mitsamt allen Aufzeichnungen seines Vaters Kenwa. Fortan lehrte er Shito Ryu in der gleichen Weise wie sein Vater ohne jegliche Veränderung und vererbte die Stilrichtung, die als „Seito Shito Ryu“ („Original Shito Ryu“) bekannt ist, an seine Tochter Tsukasa Mabuni. Aber Kenwa Mabunis Söhne waren nicht seine einzigen Nachfolger. Einige seiner älteren Schüler wurden in der Zwischenzeit ebenfalls zu angesehenen Meistern und lehrten jeweils ihre eigenen Shito Ryu-Versionen. Darunter sind zum Beispiel Ryusho Sakagami, der Gründer von Itosu Kai zu erwähnen (Kenwa Mabuni hatte ihn zu Lebzeiten einst gebeten, seine Nachfolger zu werden), Masaru Watanabe (Seiki kai), Kenjiro Tomoyori(Kenyu Ryu), Chojiro Tani (Shuko Kai), Kokuba Kosei (Motobu-ha), Hayashi Teruo (Hayashi-ha) sowie einige weitere. Diese Liste ist natürlich unvollständig. Bitte entschuldigen Sie, falls ich ihren Stilgründer oder Ihren Soke vergessen haben sollte! Viel interessanter ist jedoch die Frage, warum sich so viele verschiedene Stilrichtungen und Unterstilrichtungen gebildet haben. Eine entscheidende Rolle spielte dabei, dass die verschiedenen Meister jeweils unterschiedliche körperliche Voraussetzungen hatten. So hat jeder von ihnen seine Schwerpunkte auf diejenigen Techniken gelegt, die seiner natürlichen Bewegung und seinen persönlichen Präferenzen am besten entsprachen. Infolge dessen brachten sie auch Veränderungen in die Kata ein. Ich gehe davon aus, dass jeder von ihnen im besten Glauben bestrebt war, die Kampfkunst im besten Sinne weiterzuentwickeln! Ein weiterer Grund für die Aufspaltung besteht in der Vorliebe der Japaner, Dinge zu systematisieren. Den Deutschen sagt man eine gewisse Vorliebe für Ordnung und Systematik nach, aber in dieser Hinsicht liegen die Japaner weit voraus! Deshalb hat der japanische Dachverband für die Kampfkünste, der als oberste Instanz über den verschiedenen Sportverbänden für Karate, Judo und so weiter steht, auf eine klare Unterscheidung und ordentliche Benamung der verschiedenen Stilrichtungen und Unterstilrichtungen bestanden. Insbesondere haben wir dem zu verdanken, dass wir heute endlose Diskussionen darüber führen können, wessen Stilrichtung besser, am effektivsten oder am schönsten ist. 

Sportkarate und traditionelles Karate 

Bisher haben wir ausschließlich vom traditionellen Karate gesprochen. Die klare Botschaft lautet: Karate ist Kampfkunst („Karate ist Budo“). Der Sinn von Karate liegt in der Selbstverteidigung, und die Kata ist zugleich Lehrbuch und die wesentliche Trainingsmethode, neben dem Kihon (Grundtechnik) und der traditionellen Form des Kumite (Zweikampf). Später, in den 1950er Jahren, als Karate in Japan populär wurde, entstand auch das Sportkarate, das vom Dachverband der japanischen Kampfkünste propagiert wurde, der auch für die anderen „Sportarten“ wie Judo etc. zuständig ist. Infolge dessen musste Karate auch das farbige Gürtelsystem und den weißen Gi (allerdings in einer etwas leichteren Version) vom Judo übernehmen. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten „High-Kicks“ im Karate eingeführt. So etwas wie ein „Jodan Mawashi Geri“ wurde bis dato im Karate nicht verwendet.4 Natürlich hat das Sportkarate sehr zur Verbreitung der Kampfkunst beigetragen und diese international bekannt gemacht. Aber bei weitem nicht alle Anhänger des traditionellen Karate waren über diese Entwicklung glücklich. In seinem sehr empfehlenswerten Buch „SHITO RYU MASTERS“ hat Jose M. Farguas 33 berühmte Großmeister dieser Stilrichtung interviewt, darunter auch die beiden Söhne von Mabuni Kenwa und viele weitere Legenden. Das Buch wurde 2017 veröffentlicht, aber es hat über 20 Jahre gedauert, diese Interviews zu sammeln. Eine der Fragen, die an die Meister gestellt wurden, bezog sich auf deren Meinung zum Sportkarate, wobei die Mehrheit der Befragten zunächst einige Vorteile aufzählte, aber auch ihre Vorbehalte und Bedenken deutlich zum Ausdruck brachten. Am häufigsten wurde als Vorteil gesehen, dass der Wettkampfcharakter sehr motivierend sein kann, insbesondere für jüngere Karatekas. Zusätzlich lernen die jungen Kämpfer in der Kampfsituation, mit Emotionen wie Unsicherheit und Angst umzugehen. Es besteht kein Zweifel, dass Sportkarate heutzutage ein wesentlicher Bestandteil der Kampfkunst ist. Allerdings bestehen auch große Bedenken, dass Karate langfristig eine ähnliche Entwicklung nehmen könnte wie Judo, das bereits in den 50er Jahren zur olympischen Disziplin ernannt wurde. Auch im Judo gab es früher unterschiedliche Stilrichtungen, aber durch die Vereinheitlichung der Regeln und des Wertungssystems sind die unterschiedlichen Stilrichtungen weitgehend verschwunden, während die Kampfkunst als solche ihre Effektivität teilweise eingebüßt hat und mehr oder weniger „nur noch eine Sportart“ ist. Ein Problem des sportlichen Kumite-Wettkampfes aus der Sicht eines Traditionalisten besteht darin, dass der Erfolg wesentlich von Schnelligkeit und der Fähigkeit abhängt, den richtigen Abstand zum

4 High-Kicks waren selbstverständlich keine neue Erfindung, es existieren bildliche Darstellungen von malaysischen Piraten, die bereits im 17. Jahrhundert Fußtritte auf Kopfhöhe in ihrem Kampfsystemen anwendeten.

Gegner zu finden. Aus diesem Grund kann auch ein technisch gesehen verhältnismäßig schlechter Karateka viele Punkte erzielen und sogar eine Meisterschaft gewinnen. Aber auch Wettkämpfe im Bereich Kata sind nicht unproblematisch, sobald Wettkämpfer aus unterschiedlichen Stilrichtungen teilnehmen. Es gibt so viele verschiedene Kata und so viele Stilrichtungen und Unterstilrichtungen, dass kein Schiedsrichter jemals alle Details kennen und beurteilen kann, ob die Kata korrekt ausgeführt wurde. Deshalb verliert die detailgetreue, korrekte Ausführung häufig an Bedeutung. Stattdessen tritt die reine Darbietung in den Vordergrund, was der Einführung von Showeffekten den Weg bereitet, die kein Bestandteil der ursprünglichen Kata sind. Rhythmus und Technik der originalen, traditionellen Kata werden verändert oder angepasst, um die „Performance“ spektakulärer erscheinen zu lassen. Aus der Sicht eines Traditionalisten mögen diese Bedenken schwerwiegend sein. Man möchte verhindern, dass die verschiedenen Stilrichtungen mit ihren spezifischen Feinheiten zu einem vereinheitlichten „Freestyle-Karate“ vermischt werden und dabei die Idee vom Karate als Kampfkunst („Karate is Budo“) verloren geht. Wie überall ist die Welt nicht schwarz-weiß und es gibt viele Gelegenheiten und Wege für jeden Einzelnen, seinen eigenen Weg („Karate-Do“) in der Welt des Karate mit seinen nahezu unbegrenzten Möglichkeiten und Herausforderungen zu finden. 

Anmerkungen zur Philosophie des Karate 

Karate sollte ein lebenslanger Weg sein, mit dem ultimativen Ziel, sich als menschliches Individuum kontinuierlich zu verbessern. Das bedeutet in erster Linie, dass Karate viel mehr ist als nur ein Sport, den man für einige Jahre auf mehr oder weniger hohem Niveau ausübt und im Alter irgendwann wieder aufgibt! Und in der Tat kann man Karate bis ins hohe Alter ausüben. Essenzielle Elemente der persönlichen Entwicklung sind Eigenschaften wie Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Mitgefühl, Willensstärke etc. Ein guter Karateka zu sein, bedeutet, dass die drei Prinzipien „Shin“ (Herz), „GI“ (Technik) und „Tai“ (Körper) immer im Gleichgewicht sein müssen, ähnlich wie die Beine eines dreibeinigen Hockers. Um an Stabilität zu gewinnen, müssen alle drei Beine gleichermaßen stärker werden. Andernfalls wird sich die Stabilität des Hockers nicht erhöhen. Mit anderen Worten: Körperliche Leistungsfähigkeit und gute Technik werden niemals einen guten Karateka ausmachen, so lange es an „Herz“ fehlt. Jegliches respektlose Verhalten ist kein gutes Zeichen für einen echten Karateka. 

Eine Sache ist mir noch wichtig: 

Ich schrieb diesen Artikel, obwohl ich mich selbst noch zu den Anfängern im Karate zählen muss. Natürlich genieße ich meine Rolle innerhalb unserer Gruppe und habe Spaß daran, mir theoretisches Wissen anzueignen und dieses zu teilen. Aber es ist nicht meine Absicht, der „Besserwisser vom Dienst“ zu sein. Mir ist es in erster Linie wichtig, ein guter Trainingspartner für Euch zu sein, damit wir uns gemeinsam weiterentwickeln und voneinander lernen können. In diesem Sinne: 

Lasst uns unseren Weg (Karate-Do) gemeinsam gehen!

 Literatur 

• [1] Jose M. Farguas: SHITO RYU MASTERS, Empire Books, Los Angeles, 2017 

• [2] José Luis Calderoni: THE ART OF SHITORYO KARATE, 1986 

• [3] Hidetoshi Nakahashi: SHITŌ-RYŪ KARATE-DŌ KATAS SUPÉRIEURS, Budo Éditions, 2017 

• [4] Mabuni Kenei, Carlos Molina (Ed.): Empty Hand: The Essence of Budo Karate, Palisander Verlag, 2009 

• [5] Mabuni Kenwa, Eric Shahan (publ.): Karate Kenpo The Art of Self Defense, 2020

 • [6] Addy Melzer: Nach Altem forschen – das Neue verstehen: Die Entwicklung einer Kampfkunst aus Okinawa zum modernen Karate, Kristkeitz, Werner (publ.), 2013

 

On the history of Shito Ryu Karate

My personal story about Shito Ryu Karate started to accelerate, after I passed my 6th Kyu grade examination some years ago. Our Sensei had included a written test, where she asked questions about Japanese terms for Karate-techniques and also about the history of Karate. Curiosity was aroused, and I wanted to know everything about Shito Ryu. Looking for literature that I could study, I found out that there are lots of books available on Shotokan Karate but hardly anything about Shito Ryu in German. Besides Japanese, you can find a lot of literature in French, but lacking any knowledge of those languages, I am limited to what I can find in German and English. So, I ordered some books and began to read. Soon I realised that different authors are telling the same story in quite different versions, and it became obvious that there is plenty of room for interpretation within a large area of conflict between heroic legends, historical facts, personal opinions, and ambitions. With this insight, I am trying to bring things together and understand the context of all the information from the different sources. However, the picture I have today might also change with time, and in the same way, my karate abilities will hopefully also evolve. 

The roots of karate 

There is plenty of literature on how Karate has been developed on the Islands of the Ryukyu Kingdom, a long chain of islands reaching from Japan’s Mainland in a south-east direction towards Taiwan. The last one of those islands is Okinawa5 , an important trading post for China since the 15th century. Martial arts from the Shaolin monasteries, called “Kempo”, were brought to the island by traders and have been combined with the already existing fighting systems called “Te” of the island’s natives. These “empty hand techniques” have developed into an autonomous combat system over centuries. In the second half of the 19th century, several famous masters were teaching their own styles to very few “hand selected” students, and the “Te” were probably at their zenith

Some of the greatest masters of Okinawa-Karate are:

Some of the greatest masters of Okinawa-Karate are: - Ankō (Yasutsune) Itosu (1830-1915) Master Itosu taught a powerful karate style with fast and straight movements. He is an important representtative of the Shuri-te (also known as Sorin Ryu). He was famous for his very tough punches, and it is said that he punched his Makiwara 300 times every day. Professionally, he was holding a position of influence in the island’s administration and was also heading the royal guards of Shuri Castle. He also managed that Karate was introduced as a curricular subject to the schools in Okinawa, which made it necessary to create new methods of training, including the five basic Kata6 (Pinan- / Heian-). It makes a big difference if you are teaching Kata to 2 or 3 fully focused students or standing in front of a class of several dozens of pupils

5 Okinawa was formerly known as “the island of the centenarians.” It used to have the highest average expectation of life and the largest portion of people with an age of 80 years or older in the world. This has significantly changed since, in the 1950s the first McDonald’s restaurant opened on the island! 6 Itosu most likely used the Kushanku Kata to strip down and rearrange it into the 5 Pinan- (or Heian-) Kata. Although we can derive a bunch of Bunkai from the Pinan Kata, their meaning for self-defence and content of “hidden secrets” may be limited. But still, they are a brilliant training concept!

- Sōkon Matsumura (1806-1895) Sōkon Matsumura was another famous grand master of the Shuri-te (aka Sorin ryu) and is said to have kept huge knowledge on the “hidden secrets” of the different Kata. Unfortunately, lots of these secrets have been lost over time, which makes it difficult to understand the Kata in all its details today. Actually, nowadays, a lot of research is ongoing to reconstruct the original Okinawa-Te

- Kōsaku Matsumura He is one example of a handful of famous masters of Tomari-te, which is similar to Shuri-te (Shorin Ryu). Tomari is the harbour area of Naha and there is a theory that special techniques were available to be used onboard ships to defend the precious cargo against pirate attacks. There is not much provable information available on the details of Tomari-te not even a single image (neither photo nor drawing) of any of the masters is preserved. Probably the majority of information got lost when the National Archive of Okinawa, which was located inside Shuri Castle, was burned down after a bombing in 1945 [6

- Kanryō Higaonna (1853-1915) Kanryō Higaonna is an important representative of the Naha-te style, also known as Shorei ryu. His karate shows strong emphasis on physical power, low centre of gravity (e.g., the frequent use of Sanchin Dachi), breathing, and rounded movements. He also studied Kung-Fu in mainland China for more than a decade, while it is not clear whether this stay was purely motivated by his curiosity in Kung-Fu or owed to the political situation in Okinawa at this time (see next chapter). His training used to be very harsh, so that not many students stayed with him for a long time, among them Chōjun Miyagi, the founder of Goju Ryu Karate, and Mabuni Kenwa.

Okinawa in the 19th century 

Although a Kingdom, the Ryukyo Islands were hardly ever independent, and during history their subjection changed several times between China and Japan, but for around 300 years they have been a Chinese outpost. Around the 1870s the Tenno has sent a samurai family to Okinawa to bring the island under Japanese control, probably motivated by the increasing US-American influence in the Pacific region (Hawaii was about to become the 52nd state of the US not much later). Soon, the palace in Shuri was under Japanese control, while most of the people in Naha, the biggest city in Okinawa, were still connected to the Chinese. Naha used to be a melting pot of different cultures. Besides the native Okinawans, many people from China, Korea, Taiwan, the Philippines, Malaysia, etc. lived there.

Mabuni Kenwa,the founder of Shito Ryu Karate 

Mabuni Kenwa was born in 1889 and started to practice karate at the age of 10. He used to be small and physically weak at the beginning. One of his relatives with good connections to the palace introduced him to Ankō Itosu, who accepted him as a student. Obviously talented, he improved fast in both technique and strength and learnt in total 23 different Kata in Shuri-te from Itosu. A few years later, he was introduced to Higaonna Sensei by his friend Chōjun Miyagi, and Itosu allowed him to learn Naha-te from Higaonna. This was not to be taken for granted in these times! Due to participating in a school strike, he had to change from general school to fishing school, where he graduated and became a police officer.

Mabuni Kenwa – The Time in Okinawa 

In 1915, both of his masters passed away. Mabuni Kenwa was particularly sad about the great loss of Master Itosu, so he visited his grave every day and performed all the 23 Kata he had learned from him for a whole year. At this time, he was already recognised as a respected expert in martial arts. However, at the age of 26, he was still too young to be a grand master, and eventually he got challenged by others who were not willing to accept his authority. Searching for new sources to further improve his own capabilities, he joined forces with his friend Miyagi, and they founded the “research group” Kenyokukay. Over the years, several other masters of OkinawaKarate joined the group, including Gichin Funakoshi who later founded Shotokan Karate7 . They regularly met at Kenwa Mabuni’s house to practice together, find new options for Bunkais, and search for the true meaning of the Kata that had been passed down to them by the grand masters. As a police inspector, Mabuni was on duty over the whole island, where he used any opportunity to meet other experts in martial arts and never left a chance to practice together with them and pick up new techniques. Among those was a Chinese tea trader named Wu Xian Gu, who came to Okinawa in 1915, married a local girl and changed his name to Go Kenki. He was teaching White Crane Kung-Fu, and it is said that the TsuruashiDachi (“crane stance”) and the “kiai” (imitating the cry of a crane) are results of this collaboration. But also, other martial art masters, like Aragaki and Tawada, strongly influenced his karate by introducing him to weapons like Bo and Sai. In order to make their training with the weapons more realistic, the “researchers” developed customised protection equipment that they had copied from sports like boxing, baseball, and football. See today’s Kumite equipment

7 Funakoshy, although significantly older than Mabuni and Miyagi, frequently joined the “research group” and later sent his own son and some of his best students to Mabuni for skill enhancement.

Later, about 1924, Mabuni founded the “Okinawa Karate-Do Club” with the dojo in his own garden. His wife, Kamae, always supported her husband’s activities. She even held an umbrella for him in case of heavy rain when he practiced at the Makiwara every morning!

 How Karate came to Japan 

It is reported that during a visit of the Japanese crown princes to the outpost, Miyagi and Mabuni demonstrated their impressive martial art capabilities and arouse the princes’ interest. In consequence, several Karate masters were invited to the Japanese mainland to demonstrate their arts, ahead of all Gichin Funakoshi, who was invited (…or, shall we say, sent?) to move to Tokio to introduce Karate there. Chōjun Miyagi and Mabuni Kenwa also travelled frequently to the Japanese mainland to introduce their arts to the public. In 1929, Mabuni – following the advice of Judofounder Jigoro Kano – quit his service at the police department, left Okinawa, and moved to Osaka.

 Mabuni Kenwa – His Time in Osaka 

Difficult times were awaiting the Karate pioneers in their new habitat. Although some officials were really interested in the new kind of martial arts, which would be a perfect supplement to the existing Japanese arts Judo, Sumo, Aikido, Kenjutsu, etc. and very useful for military education, it was extremely challenging to get acceptance by the public. The concept of the kata as a “textbook” and “training method” was unknown and people often smiled at the “Okinawian fist dance.” On top of this, people from the islands were facing discrimination in public life. Racism was an increasing phenomenon in these times, all over the world! However, Mabuni made his way by convincing more and more people of the true value and effectiveness of his art, for example, by demonstrating his capability to break wooden boards or smash bricks with hisbare hands during public demonstrations. He made his living by courses at the University of Osaka and teaching at the police school. His home dojo in Osaka can be considered the germ cell of Shito Ryu Karate, and it is still existing. At first, Mabuni Kenwa named his style Hanko-Ryu (“half-hard style”), later, around 1934, he renamed it Shito Ryu. The name is a tribute to his great teachers Itosu and Higaonna, and he used the first characters of their names - in the alternative Chinese pronunciation: Fun fact: even in 1934, when the name Shito Ryu already had existed, Mabuni identified himself in his own published book as a “Shihan of the Goju Ryu” [5]. This underlines his strong connection to the Naha-te style and to his friend Chōjun Miyagi. It is important to mention that Mabuni never created a blend of the differrent styles, but always strictly separated the Kata and techniques from Shurite and Naha-te origins. Shuri-te was taught to beginners, and Naha-te was reserved for advanced learners. It’s said that he had mastered up to 90 kata from different styles, including some he had created on his own. Although not all of them are still practiced (a few of them have only been passed down to his younger son Kenzo), it is understandable why Shito Ryu has the largest variety of kata of all modern Karate styles. In 1931, he founded the “Dai Nihon Karate Do Kai,” which was later renamed „Shito-Ryu International Karate Do Kai“. The teaching and proliferation of karate clearly became his life task. Unfortunately, his life suddenly changed with the beginning of World War II, when the universities were closed down and most of his students were sent to militaryservice. It was, for sure, a hard time to survive. Mabuni Kenwa passed away on May 23rd 1953, at the age of 63. This is, for sure, quite early for someone who was born in Okinawa. With the end of the American occupation in 1952, karate became increasingly popular in Japan, but unfortunately, Mabuni Kenwa was not allowed to harvest the fruits of his lifetime work.

 The successors of Mabuni Kenwa 

Mabuni Kenwa had two sons. The older one, Mabuni Kenei (1918-2015), went after his military service to Tokyo, where he joined forces with some other karate masters and taught Shito Ryu. Therefore, he was considered the natural inheritor of Shito Ryu and the successor of Mabuni Kenwa, and he founded the World Shito Kai Karate-Do Federation. He was very busy and successful in developing the style further and spreading Shito Ryu Karate to many other countries all over the world. On the other hand, the original Shito Ryu dojos in the Osaka area (“West-Japan”) were vacant, and the community of the Kenwa Mabuni’s students felt upset upon the dominance of the “East” and on the fact that some of the Kata had already been modified. Therefore, Kenwa’s widow asked her younger son, Mabuni Kenzo (1927-2005) to take over the homebase dojo and become his father’s successor. Kenzo, still in his mid-20s, felt too young to step into his father’s footsteps and asked her for some time for consideration. This respite lasted more than 2 years, during which he used to practice with other masters and seek their advice. He finally accepted his mother’s request and took over the home dojo including all written documents and records from his father, Kenwa. He continued teaching Shito Ryu exactly following his father without any changes and later passed the style, also known as “Seito Shito Ryu” down to his daughter Tsukasa Mabuni. But Kenwa’s sons were not his only successors. Other advanced studentshave, meanwhile, turned into well-known masters and taught their own variants of Shito Ryu. Among others, there were, for example, Ryusho Sakagami, who founded Itosu kai (Mabuni Kenwa had asked him to be his successor in his lifetime), Masaru Watanabe (Seiki kai), Kenjiro Tomoyori (Kenyu Ryu), Chojiro Tani (Shuko kai), Kokuba Kosei (Motobu-ha), Hayashi Teruo (Hayashi-ha), and a few more. The list is definitely not complete, so please apologize if I have missed out on your stylefounder or Soke! I think more interesting is the question, why so many different styles and substyles have been created. One important point is that the masters had different physical constitutions. So, they put emphasis on the techniques that fit better with their own natural movements and their personal preferences. Subsequently, they brought their changes into the kata. I am sure, each of them was personally convinced to improve the art and develop karate further with the best intentions! Another point is that the Japanese like to systematise things. It is said that Germans like order and systems, but in this context, the Japanese are far ahead! So, the Budo association, as responsible authority above all the different Karate-, Judo- and whatever federations, has requested proper differentiation and clear naming of the different styles and substyles. As a consequence, we can now spend ages discussing whose style is superior, the best, most effective, most beautiful, etc. 

Sport versus traditional karate 

The type of karate we were talking about so far is the purely traditional one. The clear dictum was: Karate is Budo. The purpose of Karate is self-defence, and the Kata is the textbook and main training concept, besides Kihon and the traditional ways of Kumite. Later, in the 1950s, when Karate became popular, Sports-Karate came up, promoted by the Budo association, which also regulated other Japanese “sports” like Judo and others. Karate was forced to take over the colour belt system from Judo and also the white Gi (in a slightly thinner version than it is used in Judo). This was also the first time the “high kicks” were introduced to Karate. Something like “Jodan Mawashi Geri” was not used before8 . Of course, Sport-Karate helped a lot to promote the martial art and make it popular on an international level. But not all supporters of traditional karate were really happy about this development. In his very recommendable book “SHITO RYU MASTERS,” Jose M. Farguas has interviewed 33 grand masters of the style from all over the world, including the two sons of Mabuni Kenwa and many other legends. The book was published in 2017, but it took over 20 years to collect all the interviews. One of his questions always aimed at their opinion on Sport-Karate and the majority of them first mentioned some of the advantages but also pointed out their concerns. The most frequently mentioned advantage is that competition is a strong motivator, especially for younger practitioners. Additionally, they learn to deal with emotions like uncertainty and anxiety in a fighting situation. There is no doubt that sport karate nowadays is an important aspect of the martial art. However, the biggest concern is that Karate, on long term, might have a similar development to Judo, which became an Olympic discipline already in the 1950s. Judo used to have different styles, too, but with the unification of the rules and scoring system, the different styles have disappeared, while the martial art has lost a lot of its effectivity and finally tends to become “just a sport.” One problem of competitive sports Kumite in the eyes of a traditionalist is that success strongly depends on speed

8 Of course, the high kicks were not a new invention, there are drawings available showing Malaysian pirates using high kicks in their fighting system already in the 17th century

and managing the right distance. Therefore, a fighter with relatively poor karate techniques may score many points and even win a championship. Just as well, a competition in Kata is not without problems as soon as competitors from different styles are participating. There are so many kata and so many different styles and sub-styles that no referee may ever be able to know all the details and be able to judge whether the kata was done correctly or not. Therefore, the technical correctness in the least detail becomes insignificant. Instead, the execution or “performance” comes into focus, which opens the door for the introduction of “show effects,” which haven’t been part of the Kata before. The rhythm and technique of the original (traditional) Kata may be modified and adapted for the sake of spectacularism. In the eyes of the traditionalist, these concerns seem to be valid. They want to avoid that the different styles with their specific subtleties become blended into a unified “freestyle” Karate, and the idea of Karate as a martial art - Karate as Budo - gets lost. As always, the world is not just black and white, and there are many ways for everybody to find his own way (“KarateDo”) within this wide, wide area of opportunities and challenges Karate is offering. 

Some remarks on the philosophy of karate 

Karate is intended to be a lifelong journey with the ultimate goal of improving oneself and becoming a better human being. 

This means in the first place that Karate is much more than a sport that can be practiced for a few years on a high level and needs to be given up once you get older! And, in fact, karate can be practiced even at an advanced age. Essential elements of personal improvement are attributes like modesty, helpfulness, politeness, compassion, willpower, and so on. Being a good Karateka means

that the three principles “Shin” (= heart), “Gi” (= technique) and “Tai” (= body) need to be balanced, just like the three legs of a stool. In order to become stronger and more stable, all three legs need to be strengthened in the same way, otherwise the stability will not increase. In other words, physical power and proper technique will not make a good Karateka if the heart is lacking. Therefore, any disrespectful behaviour is never a good sign for any Karateka

While writing all this still being a newbie in Karate, I would like to clarify something: 

Although I enjoy my role within our group and gather a lot of theory, first of all, I want to be a good training partner and help others advance, rather than being a know-it-all. In this sense,

 Let’s walk our way together!

Literature 

• [1] Jose M. Farguas: SHITO RYU MASTERS, Empire Books, Los Angeles, 2017

 • [2] José Luis Calderoni: THE ART OF SHITO-RYO KARATE, 1986 

• [3] Hidetoshi Nakahashi: SHITŌRYŪ KARATE-DŌ KATAS SUPÉRIEURS, Budo Éditions, 2017 

• [4] Mabuni Kenei, Carlos Molina (Ed.): Empty Hand: The Essence of Budo Karate, Palisander Verlag, 2009 

• [5] Mabuni Kenwa, Eric Shahan (publ.): Karate Kenpo The Art of Self Defense, 2020 

• [6] Addy Melzer: Nach Altem forschen – das Neue verstehen: Die Entwicklung einer Kampfkunst aus Okinawa zum modernen Karate, Kristkeitz, Werner (publ.), 2013

©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.